Häufige Störungsbilder
im Kindesalter

Artikulationsstörungen / Dyslalie

Dyslalien sind Störungen der Lautbildung, d.h. ein oder mehrere Laute werden nicht oder nicht richtig gebildet. Man unterscheidet zwischen einem phonetischen oder phonologischen Störungsschwerpunkt. Bei phonologischen Aussprachestörungen kommt es häufig zu Lautersetzungen wie beispielsweise „Tuchen“ statt „Kuchen“ oder „Loller“ statt „Roller“. Phonetische Störungen sind motorische Störungen, bei denen einzelne Laute noch nicht korrekt gebildet werden. Häufigstes Beispiel ist der Sigmatismus (Lispeln).

Sprachentwicklungs-
störungen / SES

Eine Sprachentwicklungsstörung liegt vor, wenn der Spracherwerb des Kindes nicht regelrecht, sondern verzögert oder unvollständig erfolgt. Kinder, die mit zwei Jahren weniger als 50 Wörter sprechen, bezeichnet man als Late-Talker. Während ein Teil der Late- Talker-Kinder sprachlich noch aufholt, entwickelt sich bei 30% der dreijährigen Kinder eine spezifische Sprachentwicklungsstörung. Diese beinhaltet häufig Einschränkungen unterschiedlicher Ausprägung, in den Bereichen Grammatik (Dysgrammatismus), Sprachverständnis und Wortschatz, Artikulation (Dyslalie) und/oder auf der pragmatischer Ebene. Die Sprachentwicklungsstörung kann im Rahmen einer allgemeinen Entwicklungsstörung auftreten und Spätfolgen, z.B. beim Schriftspracherwerb nach sich ziehen.

Sprachentwicklungs-
behinderungen / SEB

Sprachentwicklungsbehinderungen sind Spracherwerbsstörungen, die aufgrund einer geistigen Behinderung oder Lernbehinderung (beispielsweise bei Down Syndrom) und/ oder aufgrund von Hirnschädigungen, beispielsweise bei der Geburt (Cerebralparese), auftreten können. Die Symptome entsprechen meistens der einer Sprachentwicklungsstörung, d.h. eingeschränkter Wortschatz, reduziertes Sprachverständnis, Dysgrammatismus, Störung der Artikulation und/oder Einschränkungen auf pragmatischer Ebene (z.B. kein Blickkontakt). Für einen Teil der betroffenen Kinder bleibt nur der Weg der unterstützten Kommunikation mittels Gesten oder Sprachcomputer.

Auditive Wahrnehmungs-
und Verarbeitungs-
störungen / AVWS

Die AVWS meint eine Störung der zentralen Verarbeitung auditiver Reize bei intaktem peripherem Hörvermögen. Die Störungen können in den einzelnen Teilbereichen der auditiven Wahrnehmung (z.B. Speicherung, Diskrimination) unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Folgen einer AVWS können Lernschwierigkeiten, vor allem beim Schriftspracherwerb oder im psychosozialen Bereich sein.

Lese-Rechtschreib-Störungen / LRS

Unter Lese-Rechtschreib-Störung bzw. Legasthenie versteht man eine Schwäche oder Störung beim Erwerb der Schriftsprache. Die Kinder haben Schwierigkeiten gesprochene Sprache in Schrift (Rechtschreibstörung/- schwäche) umzusetzen und/oder umgekehrt (Lesestörung/-schwäche). Typische Symptome sind Buchstabenverdrehungen, Lautauslassungen, ein zu langsames Lesetempo, Probleme beim Verstehen von Texten oder Lautersetzungen etc.

Myofunktionelle
Störungen

Myofunktionelle Störungen sind Störungen innerhalb des orofazialen Muskelgleichgewichts. Häufig zeigen die Kinder eine kraftlose Zungen-, Lippen- oder Wangenmuskulatur, die zu einem fehlenden Mundschluss, zur Mundatmung, zu einer falschen Zungenruhelage mit folglich falschem Schluckmuster führen kann. Letzteres kann sich wiederum ungünstig auf die Zahnstellung und Kieferform auswirken.

Stottern / Poltern

Sowohl Stottern als auch Poltern sind Redeflussstörungen, bei denen der Sprechfluss auf unterschiedliche Art und Weise gestört ist. Stottern ist durch Primärsymptome (Lautund Silbenwiederholungen, Blockierungen und / oder Dehnungen) und sekundäre Merkmale (z.B. Mitbewegungen im Gesicht, Sprechängste, Vermeidung) gekennzeichnet. Stottern ist nicht heilbar, kann aber beispielsweise durch den Erwerb von Sprechtechniken minimiert werden. Auch sollen in der Therapie Sekundärsymptome abgebaut und ein selbstbewusster Umgang mit dem Stottern erlernt werden. Beim Poltern ist die Koordination von Atmung, Stimmgebung und Sprechmotorik beeinträchtigt, so dass es häufig zu einem zu schnellen, überstürzten Sprechfluss kommt. Typische Symptome sind Wort- und Satzteilwiederholungen, Wortverschmelzungen, Wortfindungsprobleme und Satzumstellungen. Der Polterer hat keine Sekundärsymptomatik.

Hörstörungen

Hörstörungen sind Einschränkungen des Hörvermögens und damit der Sprachwahrnehmung, die beispielsweise aufgrund eines Knalltraumas nach Unfall, einer Entzündung des Mittelohrs oder nach Gehirnhautentzündung (Meningitis) oder im Alter (Altersschwerhörigkeit) auftreten. Darüber hinaus können Hörstörungen auch angeboren sein bzw. durch Komplikationen während der Schwangerschaft auftreten. Durch technische Hilfsmittel (Hörgeräte oder Cochlear Implantat) kann das Hörvermögen optimiert und dadurch die Sprachwahrnehmung verbessert werden. Im Kindesalter zwischen dem ersten und vierten Lebensjahr führt ein eingeschränktes Hörvermögen häufig zu einer Sprachentwicklungsstörung.

Sprechapraxie

Die Sprechapraxie meint eine Beeinträchtigung innerhalb der Planung und exakten Ausführung von Sprechbewegungen. Die Lautbildung gelingt gar nicht oder nur annähernd korrekt (Lautentstellungen). Der Patient ist für Außenstehende meist schwer verständlich, sein Sprechen wirkt anstrengend und zum Teil auch abgehackt. Häufig treten sogar Such- oder Ersatzbewegungen beim Sprechen auf.